Wasser – Wie sauber ist es wirklich?
Wir Schweizerinnen und Schweizer sind stolz darauf, dass wir unser Leitungswasser bedenkenlos trinken können. Unsere Bäche, Flüsse und Seen wirken auf den ersten Blick sauber. Doch wie steht es tatsächlich um die Wasserqualität?
Der Monitoringbericht der Eidgenössischen Wasserforschungsanstalt zeigte im letzten Jahr alarmierende Ergebnisse: An über der Hälfte der Messstellen wurden die Grenzwerte für Pestizidrückstände überschritten. In fast allen Bach- und Flussgewässern wurden die Vorgaben des Bundes nicht eingehalten. Anstatt die bestehenden Vorschriften durchzusetzen, plant der Bundesrat nun, die Grenzwerte zu lockern – ein Schritt, der bei Fachleuten Empörung und Unverständnis auslöst. Umweltfachmann Georg Odermatt erklärt dazu: «Die Abbauprodukte vieler Pestizide sind sehr langlebig und können Jahre später noch toxisch für Mensch und Tier wirken.» Es darf nicht sein, dass Umweltziele einfach angepasst werden, wenn man sie nicht erreicht – zumal diese Ziele dem Schutz der ganzen Bevölkerung dienen sollten.
Besorgniserregend ist auch die Situation in den Mittellandseen, dem Hallwilersee, dem Baldeggersee und dem Sempachersee. Diese Seen werden seit über 40 Jahren künstlich belüftet, um Sauerstoffmangel im Tiefenwasser zu verhindern. Ohne diese Belüftung wäre das ökologische Gleichgewicht bereits kollabiert. Eine langfristige Verbesserung ist jedoch nur möglich, wenn der Eintrag von Phosphor drastisch reduziert wird. Die Hauptquelle dafür ist die intensive Tierhaltung, insbesondere die Schweinezucht.
Erfreulicherweise bemühen sich heute viele Landwirte und Schweinezüchter darum, ihren Phosphoreintrag zu senken und einen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität zu leisten. Im Kanton Luzern leben erstmals seit Jahren wieder mehr Menschen als Schweine – ein hoffnungsvoller Indikator. Doch ohne eine markante Reduktion der Tierbestände wird die Sanierung der Mittellandseen kaum gelingen. Vor über 50 Jahren ermutigte das Landwirtschaftsamt des Kantons die Bauern zur Umstellung ihrer Betriebe auf Schweinehaltung, um den «Butterberg» abzubauen. Heute muss es erneut handeln – diesmal in die entgegengesetzte Richtung.
Es braucht jetzt innovative und nachhaltige Lösungen, um von der intensiven Tierhaltung wegzukommen und unsere Gewässer langfristig zu schützen. Nur so können wir sicherstellen, dass unser Trinkwasser auch in Zukunft von hoher Qualität bleibt – und unsere Seen nicht nur sauber aussehen, sondern es auch wirklich sind.
Edi Frei